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Universal Commerce Protocol (UCP) und Agentic Commerce
Google hat mit dem Universal Commerce Protocol (UCP) einen neuen, offenen Standard vorgestellt, der in Zukunft in der Suche, in den Shopping-Ergebnissen oder im AI-Mode dafür sorgen soll, dass Produkte besser verstanden und empfohlen werden können. Für uns heißt das: wir wollen Ihnen das UCP einmal genauer vorstellen und mit OpenAIs Ansatz Agentic Commerce Protocol (ACP) vergleichen.
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Was ist das Universal Commerce Protocol?
Zusammen mit mehreren Partnern (u.a. Shopify und Stripe) hat Google ein offenes (open-source) Protokoll vorgestellt, dass in Zukunft Produktinformationen im gesamten Shopping-Ökosystem vereinheitlicht erfasst, strukturiert und verstanden werden. Konkret: Produktdaten sollen über ein einziges, einheitliches Protokoll verarbeitet werden und dieses Produktverständnis treibt dann Search, Shopping und KI-gesteuerte Erlebnisse an.
Das hat mehrere Auswirkungen auf Produktfeeds und E-Commerce im Allgemeinen, denn es verändert, wie sich Produkte in Zukunft für Sichtbarkeit in Search, Shopping oder AI-Mode qualifizieren. Sprich: die Qualität des eigenen Feeds entscheidet, ob Produkte in KI-Antworten berücksichtigt werden.
Wichtig sind hier vor allem die gegebenen Attribute innerhalb des Feeds: je detailreicher und konsistenter, desto besser kann bspw. der AI Mode Vergleiche anstellen und Empfehlungen ausgeben. Des Weiteren bleiben Strukturierte Daten ein weiterhin wichtiges Thema, denn diese unterstützen so die Produktentdeckung.
Was heißt das in der Praxis?
Kunden mit hoher Kaufabsicht können direkt innerhalb der Google Search, dem AI-Mode oder Shopping konvertieren.
Beispiel:
Jan ist auf der Suche nach einem Koffer. Er hat für die Recherche den AI-Mode von Google genutzt und gefragt „Ich brauche einen handlichen, kleinen Koffer der auch als Handgepäck in Flugzeugen genutzt werden kann“. AI-Mode geht nun auf die Suche, prüft Feeds diverser Händler und empfiehlt Jan dann eine Reihe an Produkten. Jan sucht sich einen aus, bezahlt bspw. mit Google Pay und schließt direkt im AI-Mode mithilfe des UCPs den Kauf ab. Dabei bleibt der Händler, bei dem Jan kauft, stets der eigentliche Vertragspartner, nicht etwa Google. Das bedeutet, der Händler hat die Hoheit über Jans Daten, nutzt aber für die Kaufabwicklung Googles angebotenen Dienst.
Vorteile des UCP
Laut Google hat das eigene Protokoll dabei folgende Vorteile:
Für Unternehmen: Das eigene Produkt kann durch das UCP an verschiedenen Touch Points innerhalb einer Customer Journey gezeigt werden, bspw. bei der Recherche im AI-Mode oder der Gemini App. Dabei bleibt das Unternehmen stets der „Merchant of Record“ und hat die Flexibilität, den Checkout komplett auf das Unternehmen zugeschnitten umzusetzen.
Für KI-Plattformen: Mit standardisierten APIs soll es einfach sein, Agentic Commerce für die eigene Zielgruppe umzusetzen, egal in welcher KI-Umgebung.
Für Entwickler: UCP ist und soll weiterhin Open-Source bleiben und ist darauf ausgelegt, von einer aktiven Community vorwärts getrieben zu werden.
Für Zahlungsplattformen: Durch die modulare Natur des UCP soll es einfach sein, eine breite Auswahl an Zahlungsmethoden anzubieten. Dabei soll die Sicherheit im Fokus stehen und jeder Kauf soll eine kryptographisch verschlüsselte Zustimmung des Users beinhalten.
Für Käufer: Das UCP soll eventuelle Reibungspunkte innerhalb der Customer Journey bis hin zum Kauf eliminieren und ermöglichen, dass man – auch mit Mitgliedsvorteilen – ohne etwaige Problemchen bei seinem Lieblingsshop einkaufen kann.
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Besonderheiten von UCP
Google nennt folgende Punkte als Besonderheiten des UCP:
Das UCP ist modular und erweiterbar konzipiert und soll mithilfe von Funktionen und Erweiterungen eine umfassende und schnelle Commerce-Implementierung unterstützen. So lassen sich Funktionen und Erweiterungen gezielt auswählen, um den eigenen Entwicklungsanforderungen (z.B. APIs, MCP oder A2A) am besten zu entsprechen. Durch Tokenisierung ermöglicht das UCP Händlern, mithilfe von vorhandenen Zahlungsintegrationen mit Zahlungsanbietern, sichere und nahtlose Zahlungen anzubieten.
Das UCP basiert auf offenen Standards und ist nahtlos mit bereits bestehenden, relevanten Protokollen wie A2A, AP2 oder MCP kompatibel.
Wie sieht es mit den Nutzerdaten aus?
Der Händler bleibt der eigentliche Vertragspartner für alle Transaktionen und behält dabei das vollständige Eigentum an den eigenen Kundenbeziehungen und Daten. Es sollen die herkömmlichen Sicherheits- und Datenschutzpraktiken von Google gelten, aber der Händler bleibt für die Transaktion verantwortlich.
Vergleich mit dem Agentic Commerce Protokoll von OpenAI
Das Agentic Commerce Protocol (ACP) von OpenAI verfolgt hier einen anderen Ansatz: hier stehen KI-Agents im Fokus, die für den Nutzer Einkäufe tätigen. Heißt: der User gibt den Auftrag an den KI-Agent einen passenden Koffer in Handgepäckgröße zu kaufen, gibt noch weitere Kriterien an und der KI-Agent trifft, basierend auf diesen Kriterien eine Entscheidung und tätigt, mit abschließender Bestätigung des Users, dann den Kauf.
Das bedeutet auch: Sie müssen sich als Händler nicht entscheiden, ob Sie ACP oder UCP nutzen möchten, im Optimalfall unterstützen Sie beides, denn die Ansätze sind leicht unterschiedlich.
Was ist Agentic Commerce und wofür sind KI-Agents gedacht?
Simpel gesagt, sind KI-Agenten eine Möglichkeit, Aufgaben und vor allem Entscheidungen an ein durch KI-gesteuertes Programm abzugeben. Dieses Programm soll dann, basierend auf den vom User gegebenen Vorgaben und Einschränkungen Dinge erledigen, bspw. Onlineeinkäufe tätigen.
Beispiel: Jan will neue Laufschuhe kaufen. Er sagt seinem KI-Agenten folgendes: „Ich brauche neue Laufschuhe. Sie sollten bequem und leicht sein. Ich habe die Schuhgröße 44. Ich will nicht mehr als 100€ ausgeben. Eine Markenpräferenz habe ich nicht.“
Der KI-Agent geht nun los, recherchiert online und vergleicht die Schuhe verschiedener Anbieter. Der KI-Agent trifft dann für Jan eine Entscheidung und tätigt den Kauf – Jan muss lediglich die Zahlung bei dem Zahlungspartner bestätigen.
Agentic Commerce beschreibt im Prinzip genau das: der KI-Agent ist der eigentliche Käufer und führt einen Auftrag eines Nutzers aus. Der KI-Agent interagiert dementsprechend auch mit dem Shop, den Preisvergleichsseiten und Testportalen und trifft basierend darauf eine Entscheidung. Hier gibt es schon erste Umsetzungen aus den USA, bspw. Amazons Buy for Me oder Perplexitys Buy with Pro.
Gegenüberstellung von ACP vs. UCP
Thema | ACP (OpenAI) | UCP (Google) |
Typ | Open, Cross-Plattform | Open, Cross-Plattform |
Schwerpunkt | Checkout und Transaktionen | Gesamte Customer Journey |
Technische Ausrichtung | Framework für Agententransaktionen | Open-Source-Standard für End-to-End-Commerce |
Anwendungsbereich | Kauf innerhalb der KI-Tool-Oberfläche (bspw. ChatGPT) | Kauf innerhalb der Google Produkte wie Search, Gemini oder AI-Mode |
Zahlungsabwicklung | Delegierte Zahlungen über agentengenehmigte Payment-Tokens | Integration mit Google Pay und bestehenden Händler-Zahlungsanbietern (bspw. PayPal) |
Checkout-Erlebnis | Agentengeführter Checkout im Gesprächsverlauf innerhalb von bspw. ChatGPT | Checkout innerhalb von Googles Search und Shopping |
Am besten für | Assistentengeführte Customer Journeys mit Entdeckungen (der User recherchiert mithilfe des KI-Agents Produkte) | Kunden mit hoher Kaufabsicht, die bereit sind zu vergleichen oder zu kaufen (Kunden, die sich bereits auf Produkte eingeschossen haben und nun noch vergleichen oder direkt kaufen wollen) |
Offene Fragen und Risiken von Agentic Commerce
Es gibt noch einige offene Fragen, die sich jetzt im Rahmen der Beta-Tests, die in den USA stattfinden klären müssen:
Wer ist für die Auswahl zuständig? Hier muss es wohl eine Art Ranking geben und die Faktoren dafür sind noch nicht klar. Auch gesponserte Produkte und Werbung/Anzeigen spielen hier eine Rolle. Wie OpenAI angekündigt hat, soll ChatGPT demnächst Werbung bekommen.
Aktuell können Agents nur ein Produkt zeitgleich kaufen. Ähnlich verhält es sich wohl innerhalb des UCP. Hier bleibt abzuwarten, ob es dabei bleibt, oder ob sich das noch ändert.
Agentic Commerce ist auch nicht risikofrei. So sind die Systeme bspw. durch Prompt Injections angreifbar. Außerdem muss der User bei Kreditkartenabfragen manuell bestätigen. Die Zeit wird zeigen, ob dabei ein Sicherheitsrisiko besteht. Hier stellt sich im Allgemeinen die Frage: wie treffen KI-Agents die richtige Entscheidung und wählen einen seriösen, sicheren Shop aus und gehen z.B. nicht nur nach dem günstigsten Preis?
Fazit
Aktuell gibt es die Möglichkeiten, sich sowohl bei OpenAI als auch bei Google in Wartelisten einzutragen. Wir Europäer müssen hier wohl noch eine Weile abwarten, bis das alles auch zu uns kommt. Bis dahin gilt es: Entwicklungen beobachten und frühzeitig reagieren.
Unsere Experten bei arboro stehen in den Startlöchern und sind bereit, Sie auf dem Weg zu begleiten. Kontaktieren Sie uns – gemeinsam machen wir Ihren Shopware-Shop fit für Agentic Commerce und die nächste Evolutionsstufe im E-Commerce.
Quellen:
https://www.youtube.com/watch?v=pCkn2gW7Zhg - Google stellt UCP vor: Ist das DER Game Changer? [Search Camp 412] von Bloofusion Germany
https://developers.googleblog.com/under-the-hood-universal-commerce-protocol-ucp/
https://www.reddit.com/r/AI_Agents/comments/1qap7ym/google_just_dropped_ucp_the_biggest_shift_in/
https://www.checkout.com/blog/openai-acp-google-ucp-difference
https://www.searchenginejournal.com/agentic-commerce-what-seos-need-to-consider-acp-ucp/563503/
https://www.nudgenow.com/blogs-copy/openai-acp-google-ucp-difference
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